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SPD Dittweiler.

Die Geschichte unseres Ortsvereins :

Über 100 Jahre Sozialdemokratie im Kohlbachtal

Die Sozialdemokraten im Kohlbachtal während des Deutschen Kaiserreiches

Die Sozialdemokratie im Kohlbachtal kann man bis ins Jahr 1893 zurückverfolgen. Damals wurde der Dittweiler Adjunkt, der Ortsvorsteher, Jakob Cloß vom Bezirksamt gemaßregelt, weil er sozialdemokratische Flugblätter beschlagnahmt hatte. Er wurde damals angewiesen, diese wieder an den Austräger, den Knecht des Gastwirtes Jakob Schunck, herauszugeben.
Seit 1906 waren die Sozialdemokraten in Dittweiler dem Ortsverein „Waldmohr und Umgebung“ angeschlossen. Drei Jahre später wurde im Altenkirchener Lokal Böhnlein der Sozialdemokratische Ortsverein „Altenkirchen und Umgebung“ gegründet. Er gab den Sozialdemokraten in den Kohlbachtalern Gemeinden Dittweiler, Altenkirchen und Frohnhofen eine eigene Organisation. Erster Vorsitzender war der Bergmann Ludwig Pfaff aus Altenkirchen. Zweiter Vorsitzender wurde Karl Zenglein aus Frohnhofen. Die Aufgabe des Rechners wurde von dem Sattler Jakob Pfaff aus Dittweiler übernommen. Ein selbstständiger SPD- Ortsverein Dittweiler wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Mai 1914 gegründet. Bis dahin hatte es in Dittweiler einen losen Zusammenschluss der Sozialdemokraten gegeben, dem 19 Genossen unter Leitung von Jakob Pfaff angehörten.
Bei der Gemeinderatswahl im Dezember 1914 erzielte die SPD gute Erfolge und konnte sich in Dittweiler drei von zwölf Ratssitzen sichern. „Unsere Genossen hatten einen schweren Stand“, schreibt die „Pfälzische Post“. „Den bürgerlichen Parteigängern waren die Arbeiterkandidaten durchaus nicht genehm.“

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Im Ersten Weltkrieg ruhte die Parteitätigkeit in Dittweiler. Den „Sozialdemokratischen Verein Dittweiler“ finden wir im Jahre 1920 wieder. Er hatte auch einen eigenen Stempel, im Zentrum die „verschlungenen Hände“, das Symbol der Einigkeit.
Im selben Jahr wurde erstmals ein Sozialdemokrat, der Bergmann Jakob Appel, zum Ortsvorsteher von Dittweiler gewählt. Im Gemeinderat verfügte die SPD zu diesem Zeitpunkt über vier Sitze. Auch der Bürgermeister für die Bürgermeisterei Altenkirchen, also die Gemeinden Dittweiler, Altenkirchen und Frohnhofen, wurde von der SPD gestellt: Der Frohnhofer Schuhmacher und Kaufmann Max Zenglein hatte dieses Amt von 1920 bis 1927 inne. 1922 hatte der SPD- Ortsverein Dittweiler 48 Mitglieder. 1928 waren es bereits 55 Mitglieder, darunter drei Frauen. Die Mitglieder waren meist Bergleute, die auf den Kohlegruben im Saarrevier arbeiteten.
Neben der SPD gab es zu diesem Zeitpunkt weitere sozialdemokratisch orientierte Vereine in Dittweiler, so zum Beispiel der Radfahrverein „Falke“ sowie die „Zahlstelle Dittweiler des Bergarbeiterverbandes Deutschland“. Die sozialdemokratische Arbeiterjugend SDAJ verfügte ebenfalls über eine starke und aktive Organisation in Dittweiler. Die starke Stellung der SPD wird bei dem Wahlergebnis der Reichstagswahl des Jahres 1930 deutlich. Von 271 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen 206 auf die SPD. 21 Stimmen entfielen auf die KPD, 26 auf Deutsches Landvolk. Alle anderen Parteien, darunter auch die Liste 9 Hitler, hatten weniger als zehn Stimmen.

Das sogenannte „Dritte Reich“

Von Verleumdungsversuchen und Übergriffen durch die Nazis blieben auch die Genossen der SPD Dittweiler nicht verschont. Als einen Tag vor der Reichstagswahl am 06.November 1932 das altersschwache Wohnhaus des Nazi- Ortsgruppenleiters Jung abbrannte, versuchten die Nationalsozialisten diese Gelegenheit zu nutzen, um der SPD zu schaden. In einem Flugblatt wurden die „Volksgenossen“ am Wahlmorgen über den „Roten Brandterror in Dittweiler“ informiert. Trotzdem erhielt die SPD noch 185 von 380 abgegebenen Stimmen. Die NSDAP kam auf 141 Stimmen.
1933 wurden auch der Dittweiler Ortsvorsteher Robert Horbach und der Bürgermeister der Bürgermeisterei Altenkirchen, Karl Wilhelm Zenglein, beides Sozialdemokraten zum Rücktritt gezwungen. Auch der SPD- Ortsverein Dittweiler wurde gewaltsam von den Nazis aufgelöst. Die Vorstandsmitglieder der Dittweiler SPD wurden zum Teil mit vorgehaltener Pistole von örtlichen NSDAP- Mitgliedern gezwungen alle Unterlagen, Fahnen und Wimpel herauszugeben. Diese wurden vernichtet.

Nach 1945

Nach Kriegsende und der Wiederzulassung der Parteien im Dezember 1945 waren die Sozialdemokraten auch in Dittweiler bald wieder aktiv. Von der amerikanischen Besatzungsmacht waren der Nazi-Bürgermeister und die Parteifunktionäre wie Ortsgruppenleiter, Ortsbauernführer etc. abgesetzt worden und es konstituierten sich schon bald wieder unabhängige Gemeindegremien. Die US-Amerikaner setzten 1945 den Hilfsposthalter Otto Berg als ersten Ortsbürgermeister in Dittweiler nach dem Krieg ein. Ob und wenn ja, welcher Partei er angehörte, ist nicht bekannt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat, kann man jedoch davon ausgehen, dass er mit der Sozialdemokratie sympathisierte. Krankheitsbedingt trat Berg jedoch schon 1947 zurück. Sein Nachfolger wurde der Bergmann Rudolf Nikolaus. Er gehörte der SPD an, amtierte jedoch nur kurz: Von Juli 1947 bis Dezember 1948.

Die Sitze im Dittweiler Gemeinderat verteilten sich 1948 wie folgt: SPD 7 Sitze, KPD 4 Sitze. Die bürgerlichen Parteien waren damals noch nicht im Gemeinderat vertreten. Zwei der kommunistischen Gemeinderäte verließen übrigens bis 1952 die Partei. Der SPD-Genosse Gustav Schmuck, Steinbrecher und Steinbruchbesitzer, ist als Ortsbürgermeister bis Dezember 1952 nachweisbar.

Wann genau der SPD-Ortsverein Dittweiler nach Kriegsende neu ins Leben gerufen wurde, konnte bisher aufgrund der mangelhaften Quellenlage noch nicht ermittelt werden. Die Neugründung erfolgte jedoch sicher schon einige Zeit vor 1949. Ein wichtiges Datum in der Geschichte der Kohlbachtaler Sozialdemokratie ist aber sicherlich der 20. Februar 1949. An diesem Tag versammelten sich die Sozialdemokraten aus den drei Gemeinden Dittweiler, Altenkirchen und Frohnhofen in der Gastwirtschaft von Richard Böhnlein in Altenkirchen. Ihr Ziel war die Zusammenarbeit aller drei SPD-Ortsvereine im Kohlbachtal und die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft. Für die drei Gemeinden wurden Vertrauensmänner gewählt. Für Dittweiler waren dies Albert Ebel und Ludwig Ambos, beide führende Mitglieder der Dittweiler Sozialdemokraten in der Nachkriegszeit.

Bundesrepublik

In den frühen 50er Jahren waren jedoch nur wenige Menschen bereit politische Verantwortung zu übernehmen. Entsprechend niedrig sind damals die Mitgliederzahlen des Ortsvereins in den frühen 50er Jahren. Lediglich sieben Mitglieder sind für Februar 1953 und acht Mitglieder für 1956 nachweisbar. Auch im Gemeinderat hatten sich die Verhältnisse nachhaltig geändert. Die Dittweiler Bürger entschieden sich bei den Wahlen mehrheitlich für die „Freie Liste“, einen Wahlvorschlag aus dem bürgerlichen Lager. Hermann Becker von der „Freien Liste“ wurde von 1953 bis 1960 Ortsvorsteher. Die Opposition wurde von Otto Cloß geführt, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins in der Zeit von 1956 bis 1966.

Mit Harry Zerbin wurde 1960 erneut ein Sozialdemokrat Ortsbürgermeister von Dittweiler. Die SPD entschied damals mit einer hauchdünnen Mehrheit die Wahl für sich. In den darauffolgenden Jahrzehnten gelang es jedoch bei jeder Wahl die Mehrheit für Zerbin auszubauen. Gleich nach seinem Amtsantritt durfte Zerbin den damaligen regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, in Dittweiler begrüßen. Der spätere Bundeskanzler besuchte auf einer Wahlkampfreise im Rahmen des Bundestagswahlkampfes 1961 auch das Kohlbachtal. Am Kriegerdenkmal konnten die Repräsentanten der Gemeinde den prominenten uns äußerst beliebten Sozialdemokraten Willy Brandt in Dittweiler willkommen heißen.

1992 folgte Zerbin im Amt des Bürgermeisters der Sozialdemokrat Dieter Weber nach und auch bei den vergangenen Kommunalwahlen 2009 entschieden sich die Wähler mehrheitlich für den SPD-Kandidaten. Ralf Seeber wurde zum Ortsbürgermeister der Gemeinde gewählt und steht zusammen mit seinen Vorgängern Harry Zerbin und Dieter Weber im Jahr 2010 für 50 Jahre sozialdemokratische Bürgermeister in Dittweiler.

Zusammengestellt von Dieter Zenglein
Bearbeitet von Dieter Zenglein und D. Müller

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